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Rückblick

Die Geschichte der Endoskopie und daran anschließend der minimal invasiven Chirurgie ist stets eng mit dem jeweiligen Stand der Technik verknüpft. Während anfangs die medizinische Anwendung sich jeweils nur entsprechend den vorhandenen technischen Möglichkeiten entwickeln konnte, hat sie im letzten Jahrzehnt auch zunehmend die Inhalte und Ziele von Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in Wissenschaft und Industrie bestimmt. Dies entspricht der zunehmenden Bedeutung der minimal invasiven Medizin im Gesundheitswesen.

Für viele Jahrhunderte waren es Probleme der Lichtquellen und der abbildenden Optik, die einen Einsatz der Endoskopie behindert haben. Die ersten Anfänge gehen auf die Untersuchung von leicht zugänglichen Körperhöhlen wie dem Mund, dem Rektum oder der Scheide mit Hilfe von Spiegeln zurück. Noch heute spricht man häufig von einer Bauchspiegelung oder ähnlich, obwohl schon lange keine Spiegel mehr eingesetzt werden. Im Zusammenhang mit der Entwicklung der camera obscura im 16. Jahrhundert wurde die erste Quelle für gebündeltes Licht für die Endoskopie verfügbar. Hier wurde noch eine wassergefüllte Glasflasche für die Bündelung des Lichtes verwendet. Im 18. Jahrhundert wurde dann erstmals eine Untersuchungslampe benutzt, die schon über einen verspiegelten Entstehungsort des Lichtes (Kerze) und eine Bündelung über eine Konvexlinse verfügte.

Anfang des 19. Jahrhunderts (1807) entwickelte Bozzini ein Instrumentarium für die Mundhöhle, den Rachen, das Rektum und die Vagina, das wesentlichen Einfluss auf die weitere Entwicklung hatte. Er verwendete eine extrakorporal eingespiegelte künstliche Lichtquelle zusammen mit getrennten "Lichtleitern" für die Beleuchtung und die Beobachtung des Situs. Die genannten Lichtleiter wurde jedoch erst ca. 60 Jahre später erstmals beim Patienten (in der Urologie) eingesetzt. Entsprechend der Benutzung einer offenen Flamme als Lichtquelle, waren die häufigsten Komplikationen zu der Zeit Verbrennungen der Haut. Kurze Zeit später kam es dann zur Integration einer elektrischen Glühlampe in ein Endoskop. Nach weiteren technischen Fortschritten wurde 1901 von Kelling über die erste Untersuchung der Bauchhöhle berichtet, bei der schon das Prinzip der Insufflation, also die Aufdehnung der Bauchhöhle über eingebrachtes Gas, benutzt wurde.

In der Folgezeit wurden die medizinischen Grundlagen für eine weitere Verbreitung der Endoskopie gelegt. So wurden spezielle Nadeln zur Erzeugung des Pneumoperitoneums (mit Gas unter Überdruck aufgedehnte Bauchhöhle) mit geringerer Gefährdung der inneren Organe unabhängig von Otto (1918) und Verres (1938) beschrieben, die leicht modifiziert noch immer im Gebrauch sind. 1933 wurde erstmals Kohlendioxyd für die Insufflation verwendet, um eine schmerzlose Resorption überflüssigen Gases durch den Körper des Patienten zu erreichen und die Verwendung von elektrochirurgischen Instrumenten zu ermöglichen.

Die ersten endoskopischen Operationen am Darm wurden 1980 von Prof. Buess im Zusammenhang mit der Entwicklung der trans-analen endoskopischen Mikrochirurgie (TEM) durchgeführt. Lange Zeit wurde die Laparoskopie fast ausschließlich (zumindest in Europa und Amerika) von Frauenärzten eingesetzt. So war es auch Prof. Semm aus Kiel, der durch die Nutzung von mehreren Einstichen für die Instrumente auch komplexere Operationen möglich machte. Trotz allem technischen Fortschritt dauerte es bis 1983, bis er die erste laparoskopische Blinddarmentfernung durchführte. Noch einmal 5 Jahre später wurde dann 1988 in Frankreich erstmals eine Gallenblase laparoskopisch entfernt.

Wesentliche technische Entwicklungen der letzten Jahrzehnte sind die "Kaltlichtquelle", die Stablinsenoptik nach Hopkins und miniaturisierte Kameras zur Aufnahme des endoskopischen Bildes. Der Einsatz von Faserbündeln, die als Lichtleiter im Endoskop integriert sind, in Verbindung mit einer extrakorporalen Lichtquelle ermöglicht eine intensive Beleuchtung des Operationsfeldes mit "kaltem" Licht (ohne den Infrarotanteil) und hilft so, Verbrennungen zu vermeiden. Durch die Entwicklung einer Stablinsenoptik konnte die Abbildungsqualität im Endoskop deutlich verbessert werden, wobei gleichzeitig noch eine Reduktion des notwendigen Durchmessers möglich war. Gegenwärtig ist das Auflösungsvermögen einer guten Stablinsenoptik noch um ein Mehrfaches besser als das der Videokamera, die das Bild am Ende der Optik aufnimmt. Die Entwicklung von geeigneten miniaturisierten Kameras hat es möglich gemacht, das endoskopische Bild auf einem Monitor sichtbar zu machen. Damit kann der Operateur seine sehr unergonomische Haltung direkt über dem Patienten aufgeben und das Operationsfeld auf dem Monitor beobachten. Zusätzlich wird nun die Information über den Fortgang der Operation auch den anderen Personen im OP zugänglich, die auf diese Weise eine bessere Unterstützung leisten können.

Das Spektrum der Minimal invasiven Chirurgie umfasst gegenwärtig folgende, häufig durchgeführte Eingriffe:

  • minimal invasive Chirurgie der Leistenhernien und Schenkelhernien
  • laparoskopische Gallenchirurgie
  • laparoskopische Appendektomie
  • laparoskopische Colonchirurgie
  • Staging-Laparoskopien, diagnostische Laparoskopie
  • laparoskopische Refluxchirurgie
  • minimal invasive Chirurgie benigner Erkrankungen der Leber
  • Transanale endoskopische Mikrochirurgie (TEM) am Enddarm

 

Darüber hinaus haben minimal invasive Techniken in vielen Fachdisziplinen Einzug gehalten. Zu nennen sind neben der Chirurgie und der Gynäkologie unter anderem die Gastroenterologie, die Orthopädie, die Neurochirurgie, die Augenheilkunde, die Hals-, Nasen- Ohrenheilkunde, die Urologie, die Kardiologie, die Gefäßchirurgie und die Onkologie.